Donnerstag, 30. Oktober 2014

novemberfreuden-gedanken


Bald ist November. Die Zeit des Übergangs von golden schimmerndem Herbst zu frostigen Nächten mit langen, kalten und eisigen Morgennebeln. Die letzten Tage waren fordernd. So voller Gegensätze. Ein wenig wie die Natur. Es gab wunderbare sonnendurchflutete Stunden mit den Kindern, wärmende Abende mit Nüsseknacken und Glühwein bei langen Gesprächen mit meinem Mann, aber auch lustigen Begebenheiten bei der Arbeit. Viel mehr aber gab es immer wieder eisige, frostige und auch ein wenig angstmachende Momente. Vor allem bei der Arbeit. Es waren zwar immer Momente, in denen ich fühlte, wie wichtig es war da zu sein, aber gleichzeitig habe ich Bilder in meinen Lebenserfahrungen erhalten, die mich prägen. So friedvoll, erlösend und gut das Sterben sein kann, so ... schwer kann es aber genauso sein. Angstbesetzt. Voller erschreckender Vorstellungen und ungelöster Konflikte. Wenn ich Menschen in diesen dunklen Stunden begleite, fühle ich, wie wohltuend (auch mir!!) das sanfte Flackern einer Kerze tun kann. Wie viel Halt es geben kann, sich getragen zu wissen - auch wenn man es im Moment nicht so wahrnehmen kann - und wie wunderbar es ist, vertraute Lieder und Worte miteinander teilen zu können. Von leidgeprüften Menschen kann man vieles lernen. Demut. Dankbarkeit. Glauben. Vertrauen. In diesen Tagen vor Allerheiligen sind viele Menschen, die ich begleite, in einer Zeit des Übergangs. Und so frostig, nebelverhangen und unklar es scheint - so viel Wärme, Licht und goldener Schimmer von Unfassbarem ist spürbar.



Auch wenn mein Leben zu Hause ein krasser Gegensatz zu dem Erleben bei der Arbeit scheint - eigentlich verbindet es vieles. Es lässt mich mit anderen Augen ankommen in meinem Zuhause. Ich spüre, wie wichtig es ist, das Leben zu leben. Im Gespräch zu sein und zu bleiben. Freude zu teilen, Gutes zu tun (auch mir selber), Bedürfnisse von anderen ernst nehmen, Konflikte in Diskussion und Austausch münden zu lassen, Ärger auszusprechen und nicht hinein zu schlucken. Über das zu sprechen, was im Moment wichtig ist. Wenn es die Fragen der Tochter zu meiner Arbeit sind und was ich da genau mache, dann ist das im Moment wichtig. Wenn das die Frage ist, ob unser neuer Holzofen in der Küche weiß, rot oder grau sein soll. Dann ist das im Moment wichtig. Und wenn es das Suchen nach Ideen ist, wie man unserem Jüngsten das Baden/Duschen/Waschen - Körperpflege generell - schmackhaft machen kann. Dann ist auch das im Moment wichtig. Das ist etwas, das ich irgendwie neu zu lernen scheine. Dieses bewusste Leben. Ich habe nur dieses eine kostbare und so zerbrechliche Leben. Genauso wie mein Mann, meine Kinder, meine Eltern, meine Freunde. Jede und jeder. Ich möchte nicht nebenbei erleben.  Der Philosoph Martin Buber sagte einmal: Alles wirkliche Leben ist Begegnung. Diesem Gedanken möchte ich Raum geben, ihm nachspüren. Auch ein bisschen hier am Blog. In meinen Novemberfreuden, die ich wieder sammeln möchte in diesem Jahr.




Sonntag, 26. Oktober 2014

sonntagsfreude... etwas anders...


Eigentlich wäre es schöner schreiben zu können, dass meine Sonntagsfreude das Miteinander der Kinder (und dabei ganz besonders unseres großen Mädchens) mit dem kleinen Lämmchen ist. Das ist sie auch, irgendwie. Aber im Moment ist es das Abschiednehmen, die große Trauer über den Tod des kleinen Lämmchens, dem auch die größte Liebe und Fürsorge nicht "geholfen" hatte. Es ist nicht das erste Mal, dass ein Tier hier am Hof verstirbt - und dass es Lämmchen gibt, die einfach zu schwach sind (vielleicht auch krank), das ist ein Wissen, das auch die Kinder haben. Und doch ist der Schmerz unglaublich groß. Eigentlich also nicht wirklich Sonntagsfreude


Und irgendwie doch. Weil es der Kreislauf des Lebens ist, weil die Kinder Zusammenhänge erfassen und Trost finden. Trost im Erinnern, im einander erzählen, was noch am Tag zuvor mit dem Lämmchen erlebt worden war. Freude an den vielen Fotos, die wir gemacht hatten mit dem kleinen Lämmchen. Und Dankbarkeit dafür, sich verabschieden zu können. Ein letztes Mal das weiche Fell zu streicheln. Mit vielen Tränen. Aber doch getröstet in dem, was sich die Kinder ausdenken und worüber sie reden (und wer weiß, ob sie nicht recht haben), dass das kleine Lämmchen nun dort ist, wo es ihm gut geht. Wo auch die anderen verstorbenen Tiere unseres Hofes sind.

Sonntagsfreude, dass die Trauer sein darf. 




Dienstag, 21. Oktober 2014

schafe: neue aufgaben

Kleine Lämmchen sind wunderbar. In den letzten Tagen wurden vier Lämmchen bei uns am Hof geboren, eines in der Nacht und die anderen drei untertags auf der Weide. Allen Lämmchen und Muttertieren geht es gut und es ist schön zu sehen, wie ruhig Geburt und Großziehen von Nachkommen in der Natur laufen kann. So anders haben wir das letztes Jahr leider erlebt, als ein Muttertier mit einem Zwillingslämmchen plötzlich verstarb und unser Pontus mit dem Fläschchen großgezogen werden musste. Mittlerweile ist er ein prächtiger Widder, der aber immer noch so zutraulich ist wie am Anfang als kleines Lämmchen. Die Stimme unserer Großen, die ihn mehr oder weniger selbstständig großgezogen hatte, erkennt er sofort und läuft zu ihr. Nun, wir sind jedenfalls sehr glücklich, dass wir das Milchpulver und das Fläschchen diesmal nicht brauchen (hoffentlich!).


Aber manchmal kommen Aufgaben auf ganz anderen Wegen. Auf einem Hof hier im Dorf kamen Drillingslämmchen zur Welt und eines davon wurde vom Muttertier nicht angenommen. So wurde es weitergegeben an unsere Nachbarn - und mittlerweile (weil sie natürlich von unserem Pontus und seiner fürsorglichen "Ersatzmama" wissen) ist das kleine Lämmchen, das wohl ein kleines Brillenschaf ist, in unserem Stall. 


Es soll zukünftig auf den Namen "Isabella" hören und hat drei kleine Ersatzmamas und sogar einen kleinen Ersatzpapa :-)


Mit dem Trinken klappt es noch nicht so leicht, deshalb darf auch ich mit dem Fläschchen füttern. Ausnahmsweise. Wir hoffen sehr, dass es gut gedeiht bei uns und sich wohl fühlt bei den anderen Tieren hier am Hof. Milchpulver, Fläschen, Wärme, ... und jede Menge liebevolle Streicheleinheiten bekommt es jedenfalls sicher :-)


Sonntag, 19. Oktober 2014

sonntagsfreude


Dass wir unsere Kinder taufen würden, war für uns wichtig. Und für jedes Kind haben wir uns lange überlegt, wen wir bitten würden, das Patenamt zu übernehmen. Sonntagsfreude zu erleben, wie stimmig die Beziehungen zwischen den Kindern und ihren jeweiligen Paten sind. Es tut ihnen gut, eine Person zu haben, die sie im Leben begleitet - so ganz bewusst ausgewählt. Jemand, der ihnen Karten aus dem Urlaub schreibt oder zwei Mal im Jahr ein Patengeschenk schickt oder vorbeibringt. Jemand, auf den man sich schon lange freut, wenn sein Besuch angekündigt ist oder wenn man selbst Besuch dort sein darf. Sonntagsfreude, das Gefühl zu haben, dass die Paten so gut jeweils zu den Kindern passen. Weil die Entscheidung jeweils einfach aus dem Bauch heraus war - und nicht mit Abwägen und langem Überlegen getroffen worden war. Sonntagsfreude einfach. Und irgendwie schwer in Worte zu fassen :-)


Donnerstag, 16. Oktober 2014

was gut tut: zeit zum rasten

Ich genieße die Abende. Waren sie früher für mich so etwas wie die Haupt-Arbeitszeit (vor allem beim Homeoffice), sind sie jetzt frei. Das ist ungewohnt und in den ersten Wochen füllte ich die Abende vor allem mit Hausarbeit. Wäsche waschen, aufhängen, zusammenlegen oder bügeln - das kann Abende füllen. Aber es machte nicht so recht Spaß. Ich war müde, gereizt und irgendwie auch frustriert an den Abenden. Es brauchte seine Zeit, bis ich es schaffte, einfach nichts zu tun. Denn die Wäsche lässt sich auch nebenbei untertags ganz gut bewältigen (wenn man nicht alles auf einmal erledigen will) - und eigentlich gilt das für ziemlich vieles. Im Moment habe ich auch keine große Lust etwas Kreatives zu machen am Abend. Ich habe eine kleine unendliche Geschichte als Strickprojekt auf Nadeln (eine Jacke aus Schafwolle für meinen Mann) und ein paar Ideen, was ich sonst noch gerne machen würde - aber einfach keine rechte Muse. Meine Nähmaschine ist schon wieder (!!!) kaputt und zur Reparatur - und ansonsten ist so manches, an dem wir renovierungstechnisch arbeiten wollen würden einfach in Warteschleife (kein Geld für Baumaterial - Winterreifen für das Auto und Winterschuhe für die Kinder sind einfach wichtiger im Moment). Irgendwie klingt das alles ein wenig unbefriedigend - aber eigentlich bin ich froh darum. Es bleibt so wirklich Zeit zum Rasten. Zum Teetrinken, über den Tag plaudern, Schokolade essen, über den Advent sprechen und auch um zu planen, wie wir so manches behindertengerecht (was für ein Wort...) umgestalten werden, um bereit zu sein, wenn mein Vater zu uns zur Pflege kommt. Es ist schön, so zur Ruhe zu kommen. Die kleineren Kinder schlafen dann schon und unsere Älteste sitzt mit uns noch am Tisch. Im Moment werkelt sie eifrig an ihren Rubber-Loops, die über ein Geschenk von ihren Taufpaten zu uns gefunden haben - wenigstens sie hat Muse für Kreatives *zwinker*. Das ist eine neue Erfahrung, ein Kind abends noch eine Weile bei uns zu haben. Sie wird größer, beteiligt sich an Gesprächen, stellt Fragen... - schön ist das. Aber auch eine Umstellung - unsere Kinder werden merklich größer, ihre Bedürfnisse verändern sich und wir wachsen miteinander. Diese Zeit zum Rasten - sie ist verbunden mit unserem großen Mädchen (zumindest eine gute Stunde lang) und auch mit den Fragen, die sie stellt.


Wenn ich sie dann ins Bett bringe, während mein Mann noch eine letzte Runde im Stall macht und das ein oder andere in der Werkstatt erledigt... da gibt es ab und an einen kleinen Moment, in dem ich irgendwie besonders glücklich bin. Es ist nichts besonderes eigentlich. Einfach ein kurzer Augenblick, in dem mir mit einem Mal ganz besonders bewusst wird, wie wertvoll und kostbar es ist ein zu Hause zu haben, meine Familie um mich zu wissen, das leise Atmen der Kinder im Schlaf zu hören und das Rascheln der Seiten im Pferdebedarfskatalog, den das große Mädchen noch durchblättert vor dem Schlafen...  es ist der Blick hinüber in das Licht, das ich durch das Fenster drüben im Stallgebäude sehen kann und ein bisschen vielleicht auch die Aussicht auf das warme, weiche Bett und das Buch, in dem ich noch ein bisschen schmökern werde dann ... einfach das Verweilendürfen im Moment ohne große Planungsgedanken oder Verpflichtungen. Die Zeit zum Rasten ist etwas, das gut tut.  Jedes Mal auf's Neue.


Dienstag, 14. Oktober 2014

gefilzter herbstkranz



Manchmal passt einfach alles:
 Freie Zeit. 
Warmes Herbstwetter.
Freude am Werkeln. 
Material zu Hause. 
Eine einfache Anleitung. 
Kinder, die mithelfen möchten. 









... et voilá: 
unser Herbstkranz an der Haustüre :)

Samstag, 11. Oktober 2014

sonntagsfreuden


Nach knapp vier Jahren mal eine neue Brille. Ganz anders als bisher, sehr gewöhnungsbedürftig diese Auffälligkeit, um eine halbe Dioptrie mehr auf jedem Auge und eine unglaubliche Verbesserung meiner Sehfähigkeit in der Dämmerung, bei Regen und in der Nacht. Sonntagsfreude, diese neue Brille :-)